Zwischen Erdbeerdöner und Achterbahn
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Aktualisiert: vor 12 Stunden
Karls Erlebnis-Dorf vereint ein einmaliges Konzept: nostalgischer Bauernmarkt und moderner Freizeitpark in einem. Von bisher acht Standorten in Deutschland wird Elstal bei Berlin zum größten ausgebaut

Von Fred Hafner
Elstal. Schon auf dem Parkplatz an der B5, nur eine kurze Fahrt von der Berliner Stadtgrenze entfernt, kitzelt ein vertrauter Geruch die Nase: Es ist diese unverkennbare Mischung aus frisch gebackenem Brot, heißem Zucker und – natürlich – Erdbeeren. Wer durch das hölzerne Eingangstor von Karls Erlebnis-Dorf in Elstal geht, lässt den grauen Asphalt hinter sich und taucht ein in eine Welt zwischen nostalgischem Bauernmarkt und modernem Freizeitpark. Der Eintritt ist übrigens frei, was den Ort zu einem niederschwelligen Ausflugsziel macht.

Der erste Weg führt fast jeden Besucher durch den riesigen Bauernmarkt. Hier klappern keine Fließbänder, hier dampfen Kessel. In der „Gläsernen Manufaktur“ steht ein Bonbonmacher vor einer dampfenden Zuckermasse. Mit geübten Griffen zieht er den glühend heißen Strang, bis daraus winzige, rot-weiße Kunstwerke mit Erdbeermotiv werden. Die Kinder drücken sich die Nasen an der Glasscheibe platt, während nebenan in der Pfannkuchenschmiede der nächste Stapel Goldgelbes gewendet wird. Es ist dieses „Echt-Gefühl“, das Karls so erfolgreich macht: Man kauft hier nicht nur Marmelade, man sieht zu, wie sie gekocht wird.

Karls ist bekannt dafür, Tradition mit ausgefallenen Ideen zu kreuzen. Der neueste Clou, der schon 2025 für Schlagzeilen sorgte, ist der „Erdbeerdöner“. Der kulinarische „Erdbeer-Irrsinn“ enthält Erdbeerbrot, eine spezielle Kräutersoße und wahlweise Fleisch oder Gemüse – eine Fusion, die Neugierige aus ganz Brandenburg anlockt. „Wir haben insgesamt mehr als 1.500 Produkte mit Erdbeeren“, sagt Frank Havemann, Repräsentant bei Karls. Doch keine Sorge: Der Klassiker, die frische Erdbeermarmelade, ist nach wie vor der Verkaufsschlager.
Diverse Fahrgeschäfte außen wie innen. Immer dabei: die Erdbeere
Doch Elstal ist mehr als nur ein Ort zum Naschen. Folgt man dem Lachen und den kurzen, spitzen Schreien, landet man bei der „K2“. Die Achterbahn mit ihren Wagen in Holzoptik schießt aus einem Gebäude heraus, steil nach oben, bevor sie in rasantem Tempo über das Gelände saust.
Gleich daneben steht der „Fliegende Regenschirm“ – eines der vielen Fahrgeschäfte, die sich organisch in das ländliche Thema einfügen. Alles hier wirkt ein bisschen „upgecycelt“: viele Produkte sind durch kreative Wiederverwendung aus Abfallmaterialien oder alten Gegenständen entstanden und wurden in neuwertige Stücke verwandelt. So dienen alte Traktoren als Deko, Emaille-Schüsseln werden zu Lampenschirmen. Es ist ein perfekt inszenierter Vintage-Look, der Gemütlichkeit ausstrahlt, auch wenn tausende Menschen gleichzeitig über das Gelände strömen.

„Wir wollen, dass Familien sich hier den ganzen Tag verlieren können“, sagt Havemann, während er mit uns übers Gelände schlendert. Nebenan füllt Mohammed frisch gekochte Erdbeermarmelade in Gläser. Während die Eltern im „Döberitzer Heide-Shop“ nach rustikaler Deko stöbern, toben sich die Kinder auf den riesigen Hüpfkissen aus. Gemeinsam bestaunen die Familien dann wieder die frostigen Kunstwerke in der Eiswelt.
Sie ist ein bizarrer, faszinierender Kontrast zum sommerlichen Draußen. Bei zweistelligen Minusgraden wandelt man durch eine Galerie aus glitzernden Skulpturen, die aus tonnenschweren Eisblöcken gesägt wurden. Ein frostiges Märchen, das es nur in Elstal und Rövershagen gibt, und dass, dass Karls längst kein reines Saisongeschäft mehr ist. Havemann: „Allein in unsere beide Eiswelten kamen im vergangenen Jahr mehr aus 900.000 Besucher.
Bild links: Die spektakuläre Karls Eiswelt gibt es nur in Elstal und Rövershagen. Bild Mitte: In Karls Erlebnis-Dörfern ist der Eintritt frei, für Fahrgeschäfte gelten familienfreundliche Preise. Bild recht: Repräsentant Frank Havemann
Wenn die Sonne am Nachmittag langsam tiefer über der Döberitzer Heide steht und sich die Taschen der Besucher mit Brot, Wurst und natürlich Erdbeerwein gefüllt haben, wird der Blick auf die Baustellen am Rande des Geländes frei. Das Erlebnis-Dorf wächst stetig. Unter dem Titel „Karls Welt“ wird der Standort Elstal zum bundesweit größten ausgebaut. Der geplante „Bibi & Tina“-Park mit 60.000 Quadratmeter Fläche soll schon im Sommer 2027 eröffnen. Bis 2035 entstehen fünf Themenhotels und 250 Ferienhäuser mit insgesamt 5.000 Betten, dazu eine eigene Sternwarte. Frank Havemann beschreibt das Konzept: „Wir sprechen damit nicht nur Tagesgäste an, sondern auch künftige Urlauber am Rande Berlins. Sie können Freizeitspaß mit Brandenburger Natur verbinden. Sie können bei uns gut und günstig übernachten. Sie können in Karls Erlebnis-Dorf gehen, aber genauso einen Ausflug nach Berlin machen.“ Angebote für Unternehmen und Tagungsgäste wird es auch geben. Unternehmenschef Robert Dahl investiert einen dreistelligen Millionenbetrag in Elstal. Er sagt: „Wir schaffen einen Urlaubsort, an dem es sich lohnt, mehr als einen Tag zu bleiben. Wir wollen Gäste aus ganz Europa anziehen.“
Karls Eiswelt ist noch einmal eine ganz eigene Welt. Es empfiehlt sich, einen der bereit gestellten Mäntel anzuziehen. Dann kann man die Vielzahl der Skulpturen länger genießen
Das Parken ist übrigens wie der Eintritt auch kostenlos. „Das wundert manche Gäste, die bei einem so großen Vergnügungspark selbstverständlich nach einer Kasse suchen“, schmunzelt Havemann. Die gibt es auch, etwas versteckt. Sie verkauft Tagestickets, die für alle Geschäfte gelten, für 24,50 Euro. Online auf der Website kann man sie schon für 15 Euro erwerben. Das ist wirklich ein Schnäppchen für das, was alles an Fahrgeschäften geboten wird. Insgesamt bietet Karls in Elstal mehr als 60 Attraktionen. Wer mag, kann diese natürlich auch einzeln zahlen.
Wer das Gelände verlässt, hat meist nicht nur ein Glas „Erdbeertraum“ im Rucksack, sondern auch das Gefühl, für ein paar Stunden in einer anderen Welt gewesen zu sein. Hier tickt die Zeit ein bisschen langsamer – auch wenn man gerade mit 60 Sachen in einer Achterbahn saß. Karls in Elstal ist ein deutsches Phänomen: Ein Ort, der zeigt, dass Landlust und Hightech-Entertainment kein Widerspruch sein müssen. Klar ist aber auch: Der Kult um die rote Frucht wächst weiter. (April 2026)
Informationen:
Anschrift und Öffnungszeiten:
Karls Erlebnis-Dorf, Zur Döberitzer Heide 1, 14641 Elstal.
Täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet.
Anreise:
Bahn bis Elstal dann Buslinien 668/663
Auto: A 10 westlicher Berliner Ring, Abfahrt Spandau, dann 3 km weiter auf B5
Preise:
Eintritt frei
Tagestticket für alle Fahrgeschäfte vor Ort: 24,50, online 15 Euro.
Weitere Standorte von Karls Erlebnis-Dörfern:
Rövershagen bei Rostock
Koserow auf Usedom
Zirkow auf Rügen
Warnsdorf (Ostholstein)
Döbeln (Mittelsachsen)
Loxstedt (Cuxland)
Oberhausen (Ruhrgebiet)


















