Wo Erholung nicht nur Versprechen, sondern Alltag ist
In Marienbad im tschechischen Bäderdreieck treffen Geschichte und Heilquellen aufeinander

Blick über Marienbad: Kurpark, Kolonnaden, ensana-Hotels und jede Menge Grün und Wälder
Von Fred Hafner
Mariánské Lázně/Marienbad. Ein leises Echo von Schritten hallt durch die gusseiserne Kolonnade. Im Kurpark sind zu dieser frühen Stunde schon die ersten städtischen Gärtner unterwegs. Der Duft feuchter Erde mischt sich mit der frischen Morgenluft, während aus einer kunstvoll verzierten Quelle unaufhörlich Mineralwasser in kleine Porzellanbecher fließt. Eine ältere Dame nimmt einen Schluck, verzieht kurz das Gesicht – und lächelt anschließend zufrieden. Wenige Meter weiter spielt ein Straßenmusiker eine ruhige Melodie auf der Violine. In den Kolonnaden des Kurparks startet Punkt 7 Uhr das erste Wasserkonzert des Tages. Die „Singende Fontäne“, ein Spiel aus Musik, Lichtshow und Wasserkaskaden, gibt es tagsüber alle zwei Stunden. Die frühen Sonnenstrahlen tauchen die Fassaden der eleganten Kurhäuser in warmes Licht. Wer an diesem frühen Morgen durch Marienbad spaziert, spürt sofort: Hier ist Erholung nicht nur ein Versprechen, sondern Teil des Alltags.

Kurpark Marienbad: Springbrunnen als "Singende Fontäne", Blumenpracht, Blick auf Kolonnaden und Trinkhalle
Marienbad, heute unter dem tschechischen Namen Mariánské Lázně bekannt, gehört zu den berühmtesten Kurorten Europas. Mehr als vierzig Mineralquellen entspringen direkt im Stadtgebiet, über 100 weitere in der Umgebung. Seit Jahrhunderten werden sie wegen ihrer unterschiedlichen mineralischen Zusammensetzung zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen genutzt. Doch Marienbad ist weit mehr als ein Ort der medizinischen Erholung – die Stadt erzählt auch ein Stück europäischer Geschichte.
Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Kurort zu einem Treffpunkt des europäischen Adels, von Künstlern und Wissenschaftlern. Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin oder der britische König Edward VII. verbrachten hier Wochen oder sogar Monate. Zwischen Spaziergängen durch gepflegte Parkanlagen, Konzertbesuchen und Gesprächen in den Cafés entstanden Freundschaften, politische Kontakte und kulturelle Begegnungen.

Spektakulär: Die Kolonnaden von Marienbad ....



Im daneben liegenden Kurpark sind die Gärtnerinnen bereits täglich ab 7 Uhr morgens im Einsatz
.... mit ihren imposanten Deckengemälden
Das Herzstück der Stadt bildet die prächtige Kolonnade. Unter ihrem kunstvoll verzierten Dach probieren Gäste das Wasser der Kreuz-, der Karolinen-, der Rudolfs-, der Wald-, der Ambrosius-, der Ferdinandsquelle. Der Geschmack überrascht viele: mineralisch, leicht salzig oder eisenhaltig. Doch für die Kurgäste gehört das tägliche Trinken ebenso selbstverständlich zum Aufenthalt wie Bewegung an der frischen Luft und Ruhe. Einzigartig in dem Kurort ist das natürliche "Maria Heilgas", das 99,7 Prozent natürliches Kohlendioxid enthält.
Auch heute verbindet Marienbad Tradition und Moderne. Historische Hotels wurden sorgfältig restauriert. Sie bieten klassische Kurprogramme ebenso an wie moderne Wellness- und Gesundheitsbehandlungen. Besucher genießen Massagen, Moorpackungen oder Thermalbäder, während sie gleichzeitig die Architektur des 19. Jahrhunderts bewundern können.
Seit 2021 gehört Marienbad zum UNESCO-Welterbe „Great Spa Towns of Europe“. Diese Auszeichnung würdigt nicht nur die außergewöhnliche Architektur und die Heilquellen, sondern auch die lange Tradition der europäischen Badekultur. 2023 erhielt Marienbad den Status eines Luftkurortes. Wegen seiner einzigartigen Lage am Wald gilt der Ort als einer mit der saubersten Luft Europas.

Das ensana-Hotel Centralne Lazne ist eines der geschichtsträchtigsten Häuser Marienbads
Bereits seit 1808 kommen Besucher nach Marienbad, um hier zu kuren. Heute können sie aus (je nach Zählweise) 150 und 250 Hotels wählen.
Mittendrin prägen die ensana-Hotels das Stadtbild Marienbads wie kaum eine andere Hotelgruppe. Sieben Häuser gehören zum Ensemble – vom luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel Nové Lázně bis zu den traditionsreichen Hotels Centrální Lázně, Hvězda, Pacifik, Butterfly, Svoboda und Vltava. Gemeinsam bilden sie eines der größten Kurresorts Europas. Insgesamt verfügt die Hotelgruppe über rund 730 Zimmer und über 1.000 Betten – verteilt auf ihre historischen Kur- und Wellnesshäuser.
Der Clou: Alle Häuser sind durch einen 853 (!) Meter langen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Er wurde zwischen 2008 und 2012 gebaut. Wer hier entlang spaziert, erlebt eine faszinierende Mischung aus Geschichte und moderner Medizin: Marmorsäulen, Kronleuchter und kunstvolle Stuckdecken erinnern an die Zeit, als Könige, Kaiser, Künstler und Komponisten hier Erholung suchten. Heute arbeiten hier Ärzte, Physiotherapeuten und Kurmediziner nach modernen medizinischen Standards und entwickeln individuelle Therapieprogramme für ihre Gäste.


Wellness nostalgisch im Hotel Nova Lazne: Das Römische Bad (520 Quadratmeter, 17 toskanische Säulen aus römischem Marmor) ist prunkvoll verziert. Wer hier badet, fühlt sich eher an einen italienischen Palazzo als an ein modernes Spa erinnert. Hohe Marmorsäulen tragen reich verzierte Gewölbe, warmes Licht spiegelt sich auf den kleinen Wasserbecken, historische Fliesen und Ornamente tauchen die Baderäume in fast feierliche Atmosphäre
Auch sonst ist Marienbad ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Zwischen historischen Kolonnaden, heilenden Quellen und grünen Parkanlagen erleben Besucher eine Stadt, die ihre Geschichte bewahrt hat und gleichzeitig offen für die Zukunft bleibt. Wer hierher reist, nimmt oft mehr mit als schöne Erinnerungen – nämlich das Gefühl, für einen Moment dem hektischen Alltag entkommen zu sein.
Das weiß Eva Voldřichová nur zu gut. Sie ist eine erfahrene ensana-Gästemanagerin und spricht vier Sprachen fließend: „Unsere Hotels sind das gesamte Jahr über durchgehend gut gebucht. Nur Anfang Dezember und Ende Januar ist es etwas ruhiger“, erklärt sie. "Viele Gäste sind Wiederholer, sie kommen für zwei Wochen, um den Kurerfolg auch zu garantieren. Ein Herr aus Kelkheim beim Frankfurt(Main) war jetzt schon 30 Mal bei uns", ist selbst Eva schwer beeindruckt. "Andere kämen aber auch nur für ein paar Nächte, so ihre Erfahrungen. „Durchschnittlich liegen wir bei sechs Übernachtungen pro Besucher“, sagt Eva. Die meisten Kurgäste kommen aus Deutschland, gefolgt von Tschechen. Und danach bereits die Israelis. Aber inzwischen begrüße man auch mehr und mehr Besucher aus dem Nahen Osten, aus Zentralasien und sogar aus Übersee, etwa Australien und Südamerika, sagt Eva.


Die Gästezimmer in den Marienbader Hotels haben schon aus historischen Gründen eine angenehme Größe: kein Vergleich zu heutigen oftmals eher minimalistischen Zimmerflächen in Stadthotels

Auch in den Bädern gibt es viel Platz

Gästemanagerin Eva Voldřichová
Eva ist es wichtig, "dass in den ensana-Hotels jedes Haus sein eigenes Restaurant und seine eigene Kurabteilung hat. Unsere Gäste müssen nicht viel laufen. Außerdem ist es unser Ziel, unseren Gästen ständig die neuesten Behandlungsmethoden und die größte Vielfalt an gesundheitlichen Anwendungen zu bieten“, betont die charmante Gästemanagerin.


Der Marmorsaal im Stil der Neorenaissance ist auch Ort des internationalen Chopin-Festivals Mariánské Lázně
Der gleich daneben liegende Casinosaal im Hotel Nova Lazne steht in seinem Prunk kaum nach



Die historische Kaiserkabine wurde für Kaiser Franz Joseph I. eingerichtet, ist original erhalten, kann gebucht werden
Das Kohlendioxid-Bad genießen die Kurgäste auch heute noch in diesen historischen Zinkwannen
Nochmal Historie: So sahen die früheren Quellwasserleitungen im Hotel aus
Am Nachmittag treffen wir Stadtführerin Jana. Sie ist in Marienbad geboren und berichtet eindrucksvoll vom englischen König Eduard VII. Er reiste zwischen 1897 und 1909 insgesamt neunmal zu Kuraufenthalten in den westböhmischen Kurort. Und kam oft unter dem Inkognito-Namen „Lord Renfrew“, obwohl seine Identität im Ort allgemein bekannt war. „Der König hatte viele Geliebte hier“, sagt Jana verschmitzt. Nicht immer sei es für das Protokoll einfach gewesen, deren Besuche zu verschleiern. „Aber das Volk wusste eh Bescheid“, so Jana. Und: Immer kam der König mit dem Zug nach Marienbad. Auch heute noch hat Marienbad einen Bahnhof, aber die meisten Gäste reisen mit dem Pkw an.
Abends sind wir noch einmal in den Kolonnaden im Kurpark. An der „Singenden Fontäne“ verbinden sich abermals Musik, Lichteffekte und Wasser zu einer eindrucksvollen Inszenierung. Die letzte Vorstellung des Tages gibt es 22 Uhr. Noch einmal geben die 230 Düsen alles, das Wasser springt bis zu 6 m hoch. Verbunden mit den Licht- und Musikeffekten erzeugen sie bei den Besuchern Gänsehaut pur. Zufrieden gehen auch heute wieder Hunderte Menschen in ihre Hotels. Wir erinnern uns an Janas Worte: „Durch diese Kolonnaden spazierten einst die reichsten Menschen aus aller Welt.“ Heute genießt hier ein buntes Völkergemisch Wasser, Luft und Kur. (Juli 2026)

Elektrobus vor der russisch-orthodoxen Kirche in Marienbad: Der Ort gilt als einer mit der saubersten Luft in Europa

Der Aqua-Wellness-Center im ensana-Hotel Hvězda umfasst 150 Quadratmeter und bietet Schwimmbad, zwei Saunen, Dampfbad, Tepidarium, Salzgrotte
Das Böhmische Bäderdreieck:
Karlsbad (49.000 Einwohner), Marienbad (13.700) und Franzensbad (5.600) bilden das Böhmische Bäderdreieck. Die Region ist seit Jahrhunderten für ihre zahlreichen Heilquellen, prunkvolle Bäderarchitektur und traditionelle Kurkultur bekannt. Marienbad beeindruckt mit der größten Vielfalt an Mineralquellen und ist zugleich die grünste der drei Städte. Hier dominieren Wälder, Parkanlagen und Spazierwege ebenso das Stadtbild wie die berühmten Kolonnaden. Karlsbad besitzt heiße Thermalquellen und prachtvolle Grandhotels. Franzensbad ist für seine Moorheilbäder und seine klassizistische Architektur bekannt.
Infos und Buchungen:
https://ensanahotels.com/de/destinationen/tschechien
https://www.marianskelazne.cz/de/
Anreise Pkw:
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aus Ost- und Norddeutschland: A13/A4/A72 bis Plauen Süd, weiter über Grenzübergang Bad Brambach und Cheb nach Marienbad oder A9/A93 bis Selb, Grenzübergang Hraniční přechod, weiter nach Marienbad
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aus West- und Süddeutschland: A6 bis Grenzübergang Weidhaus/Rozvadov, D5 Richtung Pilsen bis Ausfahrt 128 Plana, weiter nach Marienbad
Anreise Bahn:
EC ab Berlin nach Usti nad Labem, weiter über Cheb nach Marienbad
ICE ab Frankfurt/München nach Nürnberg, weiter über Marktredwitz und Cheb nach Marienbad
Anreise Flugzeug:
Airport Prag oder Karlsbad, weiter mit Bus, Zug oder Mietwagen nach Marienbad